"Das Internet gestaltet die Gemeinschaft hypertextuell. Eine Netzwerk-Gemeinschaft ist ein Gewebe aus Links - z.B. den Diskussionssträngen in einer Newsgroup; sie ist ein Hypertext der Botschaften individueller Subskribenten. Möglicherweise beginnen Individuen, die das Internet benutzen, sich selbst als hypertextuell zu empfinden - als Summe der Links all der unterschiedlichen Gemeinschaften, denen sie zu einem bestimmten Zeitpunkt angehören." (Jay D. Bolter)
Die Entwicklung der Hypertext-Technologie im World Wide Web ist von Beginn an mit Begeisterungsstürmen aufgenommen worden. Euphorisch wurde das Ende des linearen, autoritären und hierarchischen Denkens eingeläutet. Die Erfahrung eines hypertextuell vernetzten, interaktiven und potenziell unendlichen Verweisungszusammenhangs im WWW würde - so die Erwartung - die Vorstellung eines sicheren, hierarchisch strukturierten Gefüge des Wissens dekonstruieren. An die Stelle geschlossener, statischer, monologischer Systeme der "Gutenberg-Galaxis" würde nun die grenzüberschreitende, prozedurale, dialogische, kooperative Kreativität der Netzkultur treten. Erhofft wurde nicht weniger als ein kultureller Paradigmenwechsel. Mittlerweile sind diese Hoffnungen abgekühlt und die postulierten Gegensätze zwischen traditioneller Schrift- und hypermedialer Netzkultur vielfach als Projektion kritisiert worden. Stellt sich also die Prognose einer neuen Hyperkultur als bloßer Hype heraus? Andererseits wird die sich entwickelnde Netzwerk-Gesellschaft von dem Einzelnen zunehmend kulturelle Kompetenzen abfordern, die dem Paradigma der Netzkultur entsprechen. Dabei werden Kulturtechniken im Mittelpunkt stehen, die das Produzieren, Denken und Operieren in Netzwerken ermöglichen. Sich "dialogisch" oder "interaktiv" an Netzen beteiligen, sich multimedial in Datennetzen präsentieren und sich ohne Basis eines "festen", objektiv vorgegebenen Wissensbestandes in vernetzten Strukturen orientieren zu können, wird zukünftig für den Einzelnen entscheidend sein. Zeigt sich hier die grundlegende Bedeutung der versprengten Szenen der hypermedialen Netzkunst? Werden hier nicht Praktiken experimentell entwickelt, die zukünftig für alle von entscheidender Bedeutung sein werden? Das Forum geht den kulturellen Anforderungen der Netzwerk-Gesellschaft nach und will dabei die Potenziale der Netzkultur ausloten.
Konkrete Fragestellungen:
- Was ist das tatsächlich Neue der Netzkultur?
- Durch welche originären Eigenschaften zeichnet sich die Netzkultur aus?
- Was verändert sich durch die hypermedialen Formen der Netzkultur?
- Welche emanzipatorischen Potenziale liegen in ihr?
- Welche gesellschaftliche Relevanz hat sie?
- Welche politischen Perspektiven könnten sich durch sie ergeben?
Einleitungsbeiträge (die Texte sind nur über Passwort aufrufbar)
Moderation
Dr. Susanne Gölitzer
Dozentin für Literatur und Medien an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg
Email: moderation3@edupolis.de
Inhaltliche Verantwortung
Mathias Fechter
Hessische Gesellschaft für Demokratie und Ökologie e.V., Landesstiftung der Heinrich-Böll-Stiftung (HGDÖ)
Email: forum3@edupolis.de