Zwischen Transnationalisierung und Fragmentarisierung
Das Internet als globales Medium
Fast schon hatte man den Eindruck, dass die euphorischen Beschreibungen des Internet als "global village" oder als "Motor der Globalisierung" (Giddens) der Vergangenheit angehören und zu den typischen Phantastereien gehören, die technische Neuerungen zu Beginn immer begleiten. Der Bewegung der Globalisierungskritiker ist es jedoch zu verdanken, dass diese Metaphern nicht ganz von der Bildfläche verschwunden sind, sondern vielmehr eine kleine Renaissance erfahren. Ihre global über das Internet geplanten Aktionen lassen die Frage aufkommen, ob hier nicht der Keim einer internationalen "civil society" im Entstehen begriffen ist, welche durch das Internet und in dem Internet erst möglich wird. Die das Netz von Beginn an begleitenden Spekulationen über das Entstehen von Ferngesellschaften, von neuen globalen Kommunikationsgemeinschaften und transnational orientierten Identitäten erhalten gerade - paradoxerweise - durch die "Globalisierungskritiker" wieder neuen Auftrieb. Andererseits wird die durch Hyperlinks prinzipiell gegebene Offenheit des globalen Netzes von vielen Seiten als störend und gefährlich empfunden. Betreiber von Webplattformen versuchen durch eine Politik der Verlinkung, Besucher innerhalb ihrer Domain zu halten. Staaten, Unternehmen, Gruppen und Individuen schränken die Offenheit des Web ein, um Regionen und bestimmte "Viertel" auszuklammern. Die Folge könnte eine Fragmentarisierung des Web durch die Bildung von ethnischen, kulturellen, politischen und kommerziellen Enklaven sein.
Vor diesem Hintergrund werden in diesem Forum die Entwicklungsperspektiven des Internet als globales und globalisierendes Medium diskutiert. Folgende Fragen stehen dabei im Zentrum:
- Wie sind die im Netz entstehenden Kommunikationsnetze hinsichtlich ihrer globalen Dimension einzuschätzen?
- Lässt sich tatsächlich von "Ferngesellschaften" und globalen "communities" reden?
- Tragen diese Ferngesellschaften zur Ausbildung transnationaler Kulturen und Identitäten bei?
- Durch was zeichnen sich diese aus?
- Welchen Beitrag kann das Internet zur Entwicklung einer internationalen "civil society" leisten?
- Wie sind die Gegentendenzen der Abschottung und Segmentierung im Internet einzuschätzen?
- Wie sähe eine netzpolitische Strategie aus, die diesen Tendenzen wirkungsvoll entgegen arbeiten könnte?
- Welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang die Netzprojekte und -aktivitäten der Globalisierungskritiker?
Experten, die im Forum 1 mit diskutieren
Jeanette Hofmann
Politologin am Wissenschaftszentrum Berlin
Nils Zurawski
Soziologe & Ethnologe, Universität Münster
Volker Grassmuck
Medienforscher und freier Autor, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der Humboldt Universität Berlin
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