Warum die virtuelle Konferenz "Globalisierung und Internet"
in einer scheinbar geschlossene Benutzergruppe stattfindet
Stellungnahme
in den letzten Tagen häuft sich die Kritik an der Tatsache, dass für die Teilnahme eine Kostenbeteiligungsgebühr erhoben wird.
Behauptet wird, dass die virtuelle Konferenz in einer geschlossenen Benutzergruppe stattfände, und dies laufe der (kosten-) freien
Diskussionskultur des Netzes zuwider. Uns wird weiter unterstellt, wir würden in edupolis ein 'Businessmodell' sehen.
Das ist nicht richtig. edupolis versteht sich als Plattform virtueller Konferenzen und Informationsbörse zu Fragen an der Nahtstelle
zwischen Internet und politischer Bildung. edupolis entstand aus einer Kooperation der Gruppen, die diese Plattform auch heute noch
tragen. Zweck der Kooperation war und ist es, methodische und mediale Probleme politischer Bildung, die sich auf besagte Nahtstelle
beziehen, zu bearbeiten. So experimentieren wir z.B. mit virtuellen Konferenzen, um zu sehen, was diese Kommunikationsform für
politische Bildung taugt. edupolis und die virtuellen Konferenzformen, die darauf seit 2000 angeboten werden, haben also vor allem in der
politischen Bildung Tätige zur Zielgruppe. Mit ihnen wollen wir die Kommunikation und Kooperation in den genannten Fragen entwickeln
und pflegen und Fortbildung für politische WeiterbildnerInnen anbieten. Ziel ist es, unseren Teil dazu beizutragen, die politische Bildung in
die Lage zu versetzen, ihren Beitrag zur Bildung von politischen Beteiligungskompetenzen an den Netzdiskursen, Bereitstellung von
Content sowie an einer demokratischen Gestaltung des Netzes zu leisten.
Da niemand von uns Informatiker/-in o.ä. ist, mussten wir uns die Technik bauen lassen. Trotz allem Entgegenkommen derer, die uns
dabei helfen, gilt: auch das schäbigste Honorar muss finanziert werden, selbstverständlich auch die für ExpertInnen- und
ModeratorInnentätigkeiten usw.. Kurz: Wir versuchen immer wieder Drittmittel ein zu werben. Dabei waren nicht sehr erfolgreich. Virtuelle
Konferenzen werden von der Bundeszentrale und von den Landeszentralen für politsche Bildung bis heute grundsätzlich nicht
bezuschusst. Dennoch ist es immer wieder gelungen, Kooperationspartner zu finden, die Geld mitgebracht haben: In 2001 die
Landeszentrale für politische Bildung NRW und die Hans-Böckler-Stiftung, in 2002 wieder die Hans-Böckler-Stiftung und das
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert aus dem Programm "Media @ Generation" das Jugendforum. Trotz
dieser Förderung bleibt eine Finanzierungslücke. Diese wird zum geringstem Teil durch die kritisierten Kostenbeteiligungen geschlossen,
sondern den Hauptanteil an den Kosten trugen über die Jahre hinweg die HGDÖ und das DGB Bildungszentrum Hattingen.
Wer sagt, edupolis sei ein 'Businessmodell', der setzt einen 'Zuschussbetrieb' mit einem solchen gleich. Wir aber hatten immer ein
anderes Problem, wir mussten einerseits die Offenheit gewährleisten und andererseits das Vorhaben finanzieren, denn wir wollten trotz
der Zielgruppenorientierung von edupolis stets vermeiden, dass wir zur Fragementierung und Enklavenbildung im Netz beitragen, was uns
jetzt (tendenziell) unterstellt wird. Wir ziehen lediglich die persönlich zur Finanzierung heran, die sich das entweder von ihren Arbeitgebern
erstatten lassen oder es sich privat leisten und damit in der Regel auch steuerlich absetzen können. Für diese Gruppe sind 35 € wahrlich
kein Beteiligungshindernis. Die Beteiligung aller anderen (z.B. von Studierenden, Arbeitslosen, RenterInnen und
SozialhilfempfängerInnen) ist kostenfrei, und das ist der deutlich größte Teil der TeilnehmerInnen. Dennoch kommt aus dem Kreis derer,
die kostenfrei teilnehmen, die Hauptkritik. Aus diesem Kreis heraus wurde auch der Zugang zur virtuellen Konferenz veröffentlicht. Dieser
ist inzwischen wieder dicht.
Wir sehen nicht, dass unser Projekt der offenen und (kosten-) freien Diskussionskultur des Netzes zuwider läuft:
- Wir providen über unsere Mailinglist und über unsere Plattform kostenlos jede Menge Content,
- sowohl die Mailinglist als auch die Plattform stehen allen zur Verfügung, die Content verbreiten wollen. Auf der Präsenzkonferenz in
Hattingen werden Vorschläge unterbreiten, wie dieser Bereich ausgebaut werden könnte,
- die Konferenz, die in der Kritik steht, ist vielleicht technisch eine geschlossene Benutzergruppe. Was aber die tatsächlichen
Beteiligungsmöglichkeiten angeht, ist sie das nicht wirklich. Sie grenzt niemanden sozial oder ökonomisch aus, sondern beteiligt die, die
dazu in der Lage sind, und die sich durch Teilnahme beruflich fortbilden, an der Finanzierung,
- diese Konferenzen wurde bisher immer auf www.edupolis.de offen dokumentiert und
- wir haben unser Angebot an virtuellen Konferenzen Jahr für Jahr um offene und kostenlose Foren erweitert (in 2002 ein Expertenforum,
eine virtuelle Galerie sowie das Jugendforum). Das ist ebenfalls auf edupolis nachvollziehbar dokumentiert.
- Wir wollen aber auch nicht mit unserer Auffassung hinter dem Berg halten. Wir sehen die Dinge nämlich so: Wer selbst die geringste
Kostenbeteiligung an der Finanzierung von Diskurs- und Informationsangeboten im Netz prinzipiell ablehnt, ohne zu schauen, was dabei
sonst noch für die Netzgemeinde geleistet wird, der macht das Netz heute, wo es zu einer Art Massenmedium geworden ist, faktisch zu
einem Exklusivmedium derer, die über die entsprechenden technischen, sozialen und/oder ökonomischen Voraussetzungen verfügen,
solche oder ähnlich Projekte nur auf der Basis von Eigenarbeit hochzuziehen oder sie aus der eigenen Tasche zu finanzieren, oder er
liefert es Sponsoren aus. Eine solche Haltung wäre entweder elitär und zwar auch dann, wenn sie von den vermeintlichen KritikerInnen
des Elitären vorgetragen werden oder sie fördert die Komerziliasierung. Heute sollte der Blick darauf fokussiert werden, wer dem Netz
mehr (kostenlos) gibt, als er ihm nimmt. Wir sind so unbescheiden zu behaupten, dass wir, wenn die Messlatte so angelegt wird, nicht
schlecht abschneiden. Der Beitrag von manch einem aus der Fraktion derer mit den hehren, unveränderlichen und vordergründigen
Prinzipien zu einer demokratischen Entwicklung des Internet, wird sich dann als recht bescheiden erweisen, von den offenkundigen
Defiziten wollen wir hier gar nicht sprechen.
- Wir können diese Konferenz weder völlig öffnen noch das Lurken ermöglichen. Das wäre jetzt ein Affront gegen jene, die bezahlt haben.
Wir werden diese Konferenz aber wie immer nach einer Befragung der TeilnehmerInnen offen stellen und dokumentieren. Das können wir
bereits jetzt zusagen. Darüber hinaus stelle wir zur Diskussion dieses Statements das Forum zur Verfügung. Besonders freuen würden
uns über kreative Beiträge zur Lösung des Widerspruchs zu finanzierende Koste einerseits - kostenlose Teilnahme andererseits.
Das edpolis-Veranstaltungsteam
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