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Horst Dichanz
Welche Lernkompetenzen zeichnen den selbstgesteuerten virtuellen Lernenden aus?
Beitrag im Rahmen der Virtuellen Konferenz "Internet und politische Bildung"
These 1: Auch unter den Bedingungen neuer Medien ist Lernen ein individueller Prozeß, der innerhalb einer Person abläuft - unsichtbar, kaum zu steuern, nicht sicherzustellen. Bis heute gibt es keine sichere Möglichkeit, jemanden durch Lehre lernen zu machen.
Alles, was Vorschule, Schule, Hochschule und Weiterbildung können, ist, Lerner neugierig zu machen, sie zu motivieren, ihnen eine anregende Lernumgebung anzubieten und individuelle Lernunterstützungen zu entwickeln. Wie diese Angebote und Unterstützungen genutzt werden, ist Sache der Lerner.
So gesehen ist alles Lernen selbstgesteuert.
These 2: (Weiter-)Bildungsinstitutionen erwecken mit ihren Programmen und Lehrangeboten
den Eindruck, daß
Die Erfahrungen, die jeder Einzelne mit verschiedenen Lehrangeboten gemacht hat, zeigen, daß diese angezielten Ergebnisse keineswegs sicher zu erreichen sind und daß gleiche Lehrangebote zu sehr unterschiedlichen Lernergebnissen führen können.
These 3: Die wichtigste Unterstützung, die individuelle Lernprozesse erhalten können, sind eine genaue Fehleranalyse und darauf eingehende Beratungen. Wegen der Individualität der Lernprozesse sind sowohl die Fehleranalyse als noch mehr die anschließende Lernberatung NICHT planbar, d.h. auch kaum maschinenerfaßbar und durch Programme zu korrigieren. Dies gilt besonders für Lernziele höherer Ordnung (Einsicht, Strukturkenntnisse, Charakterbildung...). Sie sind ohne kommunikative Unterstützung nicht zu erreichen, sie entstehen diskursiv. Dies gilt besonders für Ziele der politischen Bildung.
These 4: Die Steuerung eines virtuell Lernenden trifft - wie jede andere Lehre - auf einen Lerner, dessen biografische Lernvoraussetzungen und aktuelle Lernbedingungen dem Lehrsystem nicht bekannt, aber trotzdem bei den Lernenden unterschiedlich vorhanden sind. Deshalb muß das virtuell gefaßte Lehrsystem
These 5:
Je stärker ein Lerner sich auf die (seine) Lernziele konzentriert, umso
höher sind seine Lernerfolge.
Deshalb muß ein virtuelles Lehrsystem so aufgebaut sein, daß es
motivational, inhaltlich, methodisch und technisch die
Lernzielorientierung der Lerner unterstützt.
These 6: Der virtuell Lernende muß gute technische und Systemkenntnisse haben. Er darf sich nicht scheuen, bei Schwierigkeiten Hilfe (z.B. über eine Hotline) anzumahnen. Er sollte gelernt haben und vom System dazu angehalten werden, Fragen zu stellen. Wissenschaftliches Denken beginnt mit dem Stellen von Fragen.
Er sollte sich immer wieder und systematisch Gewißheit darüber verschaffen, wo im Lernprozeß er sich gerade befindet. Dies ist auf dem Computerschirm schwieriger als bei einem Buch, bei dem das kurze Zurückblättern oder der Blick auf das Inhaltsverzeichnis schnelle Übersicht verschaffen. Schließlich sollte der virtuell mit einem System Lernende sich daran gewöhnen, nach einem, seinem eigenen, Plan zu lernen und seine Lernergebnisse für sich festzuhalten.
These 7: Für die politische Bildung sind die flüchtigen und oft anonymen Informationen aus dem Internet eine besondere Herausforderung. Von Beginn an muß der Internet-Lerner sich daran gewöhnen und darin trainiert werden, die Zuverlässigkeit von Daten und Meinungen aus dem Internet zu überprüfen. Dazu gehört, immer wieder die Frage zu stellen, welches Interesse daran bestehen kann, bestimmte Informationen so und nicht anders ins Internet zu stellen. Dazu gehört die Überprüfung der Frage nach den gesellschaftlichen Interessen.
These 8: Lernen ist ein individueller, aktiver Prozeß. Jeder Lernende sollte sich darüber im Klaren sein, daß ihm kein Lehrender, keine "Lernhilfe" und auch kein virtuelles System die Mühe abnehmen kann, selbst zu lernen. - Und dies ist häufig mit Anstrengungen verbunden...!
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