Rena Kahle und Eggert Holling

Projekt: Vernetzte Wirklichkeiten.
Erkundung, Analyse, Reflexion

Beitrag im Rahmen der Virtuellen Konferenz "Internet und politische Bildung"

Projekte der wissenschaftliche Fort- und Weiterbildung für Lehrkräfte an Hochschulen, Entscheidungsträger im Bildungsbereich und Multiplikatoren/innen in der Erwachsenenbildung (allgemein-, politisch- und beruflichbildend)

Inhalt des Beitrags:

  1. Konzept
  2. Projektorganisation und Intentionen der Netzaktivitäten
  3. Projektdurchführung
  4. Erfahrungen

     
    1. Konzept

    Das Rahmenkonzept der Projekte "Vernetzte Wirklichkeiten. Erkundung, Analyse, Reflexion" wurde mit unterschiedlichen Zielgruppen mehrfach erprobt:
    Ab Juni 2000 findet ein fünftes Projekt statt. (Träger der Projekte: Gemeinschaftswerk Evangelischer Publizistik in Kooperation mit Barbara Eschenauer)

    Die Projekte bieten den Teilnehmenden Gelegenheit, sich auf einer theoretischen und interdisziplinären Ebene intensiv mit Phänomenen auseinanderzusetzen, die im Kontext der Neuen Technologien und Neuen Medien (NTM) diskutiert werden. Es geht somit darum, sich mit einigen wesentlichen gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüchen und Transformationen exemplarisch auseinanderzusetzen, die oft auch unter dem Schlagwort "Modernisierung" gefaßt werden. Neben dem interdisziplinären Zugang ist das eigentlich Besondere unseres Konzeptes eine spezifische Theorie-Praxis-Integration, die dazu dient mithilfe der Praxis theoretische Ausdifferenzierungen der Phänomene zu ermöglichen und nicht - wie üblich - zum Erwerb praktischer Fähigkeiten noch Theorie zu addieren.

     
    2. Projektorganisation und Intentionen der Netzaktivitäten

    Unser Anliegen besteht nicht primär darin, die Projekte in einer strukturierten, netzgestützten Lernumgebung durchzuführen. Vielmehr kombinieren wir bewußt Präsenz- und Telephasen miteinander. Bildung und Lernen - als komplexer Prozeß - kann u.E. letztlich nur in sozialer Auseinandersetzung stattfinden, in der Lernende und Lehrende auch physisch präsent sind. Ein vollständiger Ersatz sozialer Lernformen durch telematische, wie es von verschiedenen Seiten gefordert wird, kann u.E. nicht ernsthaft erwogen werden. Dennoch sind wir davon überzeugt, daß solche Lernformen sich durchsetzen werden / durchgesetzt werden. Die Diskussionen sind - wie für Anfangsstadien neuer Entwicklungen typisch - plakativ und vereinseitigt (dafür oder dagegen). Es fehlt an bildungstheoretischen und pädagogischen Diskussionen. Uns erscheinen telematische Lernformen als Ergänzung wünschenswert. Einer Rückdrängung von Präsenzphasen, die vor allem ökonomisch motiviert ist, ist u.E. jedoch entschieden entgegenzuwirken. Eine der wesentlichen Fragestellungen, die wir in unseren Projekten verfolgen, lautet daher auch in Zukunft: Unter welchen Bedingungen könnten telematische Lernformen sinnvoll eingesetzt werden und in welchen Kombinationen können diese mit traditionellen Lernformen verknüpft werden?

     
    3. Projektdurchführung

    a) Präsenzphasen

    6-7 Präsenzphasen (2 Wochenseminare und 4-5 Wochenendseminare), die jeweils den Zeitraum von 1,5 - 2 Jahren umfassen.

    Themen:

    • Präsenzphase I: Zur Technisierung der Informations- und Kommunikationskultur (Einführung in die technischen Grundlagen und Überblick über das Projekt)
    • Präsenzphase II: "Wissensgesellschaft", Globalisierung und Zukunft der Arbeit
    • Präsenzphase III: Künstliche Welten und Wirklichkeit (Simulationen, "Virtual Realities" etc.)
    • Präsenzphase IV: Neue konzeptionelle Vorstellungen von Mensch und Natur (z.B. Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Gentechnologie etc.)
    • Präsenzphase V: Neue Konzepte von Bildung und Lernen
    • Präsenzphase VI: Veränderte Formen gesellschaftlicher Integration (Elektronische Verwaltung, Kontrolle und Elektronische Demokratie)

    b) Netzaktivitäten und Intentionen

    Zwischen den Präsenzphasen sind die Teilnehmenden online miteinander verbunden. Mit Hilfe der Vernetzungstechnik ....

    • wird ein kontinuierlicher Austausch zwischen den TeilnehmerInnen über die Präsenzphasen hinaus ermöglicht
    • damit wird mehr Kontinuität gesichert für eine soziale in der Gruppe und für die Kooperation in Unterprojekten
    • werden die bisher kaum erforschten elektronischen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung und der Kommunikation, des Austausches und der Kooperation erkundet und nach pädagogischen Einsatzmöglichkeiten gefragt.
    • werden organisatorische Aufgaben wahrgenommen: Vorbereitung der Präsenzphasen, Versendung von Lernmaterialien, Austausch von Texten und Tipps, Terminabsprachen, Literaturhinweisen etc.
    Vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen wird diskutiert, ob und in welchen Zusammenhängen es sinnvoll sein könnte, die Neuen Technologien und Medien auch an den Hochschulen für das Studium, für öffentliche Diskussionen oder die eigene Arbeit einzusetzen.

    c) Eingesetzte Kommunikationsmittel:

    • E-Mail
    • Chatten
    • Web-Server
    • computerunterstützte Gruppenarbeit

     
    4. Erfahrungen

    Der Möglichkeit, sich sozial auszutauschen, wurde in den einzelnen Projekten jeweils ganz unterschiedlich genutzt - bezogen auf Inhalte und Intensität. In der gegenstandsbezogenen inhaltlichen Arbeit jedoch wurde über die Online-Verbindung kaum Kontinuität gestiftet. Lediglich eine Untergruppe nutzte die Techniken intensiv für die Vorbereitung einer gemeinsamen Online-Lehrveranstaltung, an der vier Hochschulen beteiligt waren.